Mauern & Windmühlen

„Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen“

Windmühle

Eigentlich sagt dieses chinesische Sprichwort schon alles, worum es für mich im Leben und natürlich auch hier in meiner Praxis zu gehen scheint. Wir sind immerzu damit beschäftigt, unser Leben entweder in der Bahn zu halten, es wieder in die Bahn zu bringen oder es in eine Bahn zu bringen, von der wir glauben sie sei die bessere für uns und alle anderen.

Und das Schlimmste ist: Ich neige auch immer wieder dazu.

Zwei Dinge fallen mir auf, wenn es mir gelingt, mich dabei zu ertappen. Zum einen verpasse ich im Moment des Widerstands, also wenn ich die Mauer baue, alles, was sonst um mich herum geschieht. Es entsteht ein Tunnelblick, die Vögel zwitschern nicht mehr, der Sonnenschein spielt keine große Rolle und selbst die Tatsache, dass ich satt bin und in Frieden lebe rückt in den Hintergrund.

Die zweite Entdeckung ist eher eine philosophische, die ich gemacht habe. Wenn mein Leben in der Bahn wäre, in der ich es an jenen Tagen gern hätte, hätte ich und mein ganzes System nicht die Chance, sich mit dem konfrontiert zu sehen, was gerade ist. Es geht dabei, wie so oft um Erfahrung und Heilung. Erst heute habe ich ein Interview gelesen, in dem stand, dass die Suche nach einem Lehrer für jede Situation ganz einfach ist. Die Situation selbst zeigt uns, wo wir stehen und unsere Gefühle und Empfindungen sind das, womit es sich auseinanderzusetzen gilt. Das klingt recht einfach und das ist es nach meiner Erfahrung auch. Aber es es ist unangenehm, zum Teil schmerzhaft, oft konfrontierend und enthüllend, aber auch integrierend und führt bis Weilen zu einem besseren Selbst-Verständnis.

Und das scheint für mich mehr und mehr, das Handwerkszeug zum Bauen von Windmühlen.