Schuld

Mea culpa, mea maxima culpa – meine große Schuld


»Der Mensch kann zwar tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will.«
Arthur Schopenhauer

Sie ist uns nicht angeboren. Sie ist ein erworbenes Gefühl. Sie entsteht erst mit unserer Fähigkeit zur Selbstreflexion, wenn wir verstehen können, dass wir etwas „falsch“ gemacht haben.

Die Frage die sich mir stellt, ist nicht die, ob es tatsächlich so etwas wie objektive Schuld gibt. Mit ihr habe ich mich schon sehr oft und lange beschäftigt – sie führt sehr schnell zur Frage nach dem „Freien Willen“. Denn obwohl ich für mich zur Überzeugung gekommen bin, dass der Philosoph Arthur Schopenhauer mit seinem berühmten Zitat recht hatte, half es mir nicht, mit dem tiefen Gefühl der Schuld fertig zu werden.

Um das Gefühl der Schuld zu verarbeiten, ist es zunächst hilfreich, ein Gefühl zu erleben, das eine tiefere Wahrheit vermittelt. Erleben deshalb, damit es nicht nur ein intellektuelles Konstrukt bleibt. Wenn wir in die Augen eines Babys blicken, können wir diese Wahrheit nicht nur sehen. Wir können sie in der Resonanz in uns spüren: Unschuld. Und weil nur etwas in uns räsonieren kann, was zuvor bereits angelegt war, sagt dieses Anklingen des Gefühls der „Unschuld“ schon etwas über diese tiefere Wahrheit in uns aus. Unsere Essenz ist absolut unschuldig.

Ich weiß, dass das die Aussage: „Jeder ist in seiner Essenz unschuldig.“, vielleicht Widerstände erzeugt. Darum möchte ich zunächst kurz darauf eingehen. In der Aussage, setze ich voraus, dass es eine göttliche Essenz gibt. Je nach religiösem Glauben, muss vielleicht unterschieden werden, ob diese Essenz ihren Ursprung in diesem oder vor vielen früheren Leben hat. Ganz am Anfang steht jedoch ein völlig unschuldiges Wesen.

Für die Arbeit mit dem Gefühl der eigenen Schuld, ist es, meiner Erfahrung nach, nicht notwendig, diesem Widerstand, all zu viel Aufmerksamkeit zu schenken. Wichtig ist nur, in sich selbst mit dem Gefühl dieser absoluten Unschuld in Kontakt zu kommen. Außerdem: Das Gefühl des Widerstands selbst ist bereits Resonanz auf das Gefühl von Schuld und Unschuld.

Zwischen dem Gefühl dieser essenziellen Unschuld und dem Gefühl der eigenen Schuldigkeit spannt sich eine Dissonanz auf. Durch das Fühlen, durch zunächst vorsichtiges, körperliches Zulassen dieser beiden Gefühle, kann diese Dissonanz ins Licht des Bewusstseins kommen. Das bewusste Wahrnehmen, zusammen mit der körperlichen Erfahrung, integriert sich diese Dissonanz langsam zunehmend im Körper und Nervensystem. Für mich ist das kein einmaliges Ereignis. Es ist vielmehr ein andauernder Prozess.

Was ich in meiner eigenen Erfahrung bemerken kann, ist, dass das Thema Schuld eine immer kleinere Rolle in meinem Leben spielt.